Jeder Mensch hat Gewohnheiten, wie er denkt, fühlt, körperlich reagiert und sich verhält. Gewohnheiten sind Automatismen oder Rituale.
Der Mensch ist so konstruiert, dass er, sofern sein Gehirn normal funktioniert, automatisch Gewohnheiten entwickelt, wenn er Denk- und Verhaltensweisen wiederholt. Er ist in der Lage, Gewohnheiten zu verändern. Hierzu benötigt er jedoch Zeit und bewusstes Einüben des neuen Verhaltens.
Zu den Denkgewohnheiten gehört beispielsweise, was man als gut und schlecht bewertet, ob man Ablehnung als schlimm empfindet, ab wann man etwas als unordentlich ansieht, ob man Pünktlichkeit für wichtig hält, wie man sich selbst sieht.
Zu den Gefühlsgewohnheiten gehört, ob man schnell ärgerlich wird, wann man sich gekränkt fühlt, wann man Angst empfindet.
Zu den Verhaltensgewohnheiten gehört, beispielsweise ob man raucht, sich überisst, Nägel kaut, ob man ordentlich ist, wie man kocht, ob man beim Reden verlegen an den Haaren spielt, beim Sitzen die Beine übereinander schlägt, wie stark man das Essen salzt, ob man Zucker in den Kaffee nimmt, wie häufig man kaut, bevor man schluckt, wie man Auto fährt. Und natürlich gehören auch die Rituale dazu, ob man den Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest oder mit dem Partner vor dem Einschlafen kuschelt.
Gewohnheiten haben viele Vorteile. Sie sind lebensnotwendig und helfen, mit dem Alltag klarzukommen, Zeit und Energie zu sparen und in der Aufmerksamkeit Platz für neue Themen zu schaffen.
Gewohnheiten können auch schädlich sein, nämlich dann, wenn man sich schädliche Denk- und Verhaltensweisen angewöhnt hat (z.B. aus Langeweile oder Frust zu essen, oder unangenehme Tätigkeiten aufzuschieben). Auch dann wenn äußere Umstände neue Verhaltensweisen erforderlich machen, z.B. dann wenn der Partner sich trennt, man ein Kind bekommt oder entlassen wird, muss man Gewohnheiten ablegen und neue Gewohnheiten aufbauen.
Wenn man Gewohnheiten verändern will, benötigt man ein wenig Wissen über das Wesen von Gewohnheiten und man braucht Durchhaltevermögen.
Was passiert, wenn Sie eine Gewohnheit wie etwa immer mit dem negativen Ausgang einer Sache zu rechnen, ablegen und durch eine eher zuversichtliche Haltung ersetzen wollen?
Eine kleine Übung. Falten Sie Ihre Hände zum Gebet. Schauen Sie, ob der Daumen der rechten Hand über dem Daumen der linken Hand liegt, oder umgekehrt. Wenn der Daumen Ihrer rechten Hand über dem Daumen der linken Hand liegt, dann leben Sie nun bewusst den Daumen der linken Hand über den der rechten Hand.
Fühlt sich das richtig und gut an oder eher fremd und komisch? Letzteres mit Sicherheit. Genau das Gleiche passiert, wenn Sie Denk- und Verhaltensgewohnheiten ändern.
Als Pessimist optimistisch zu denken fühlt sich erst mal falsch und unnatürlich an. An diesem Punkt scheitern die meisten Menschen, die sich von lästigen oder negativen Gewohnheiten trennen wollen. Sie halten dieses Fremdeln, dieses Gefühl des das-passt-nicht-zu-mir oder das-fühlt sich-falsch-an für den Beweis, dass die neue Gewohnheit nicht zu ihnen passt und geben auf.
Den Durchbruch, sprich, sich das neue Verhalten aneignen, schaffen Sie nur,
Unser Gehirn betrachtet alte Gewohnheiten als richtig - und seien sie noch so schädlich - und neue Verhaltensweisen als falsch. Nur mit einem entsprechenden Training lernt unser Gehirn, Neues als richtig anzusehen und das alte Vertraute als falsch anzusehen. Alles Gewohnheitssache.
Glücklichsein ist wie Unglücklichsein eine Gewohnheitssache. Einmal gelernt, immer zuerst die Nachteile und das Negative einer Sache zu sehen, wird unser Gehirn unseren Blick immer erst darauf lenken. Nur durch ständiges Üben über Tage und Wochen hinweg können wir ihm beibringen, zuerst nach den Vorteilen und positiven Seiten zu schauen.
Sie kennen mich vielleicht. Ich bin ihr ständiger Begleiter. Ich bin ihr größter Freund, ich kann aber auch zu einer großen Belastung für Sie werden. Ich bringe Sie voran, aber ich stürze Sie auch ins Verderben. Ich stehe Ihnen zu Diensten. Die Hälfte Ihrer Aufgaben können Sie getrost mir überlassen. Ich erledige sie schnell und zuverlässig und ich werde sie immer auf die gleiche Weise erledigen, wenn Sie das wünschen. Mit mir ist leicht auszukommen. Sie müssen nur ziemlich streng mit mir ein. Zeigen Sie mir genau, wie Sie etwas erledigt haben wollen und mit etwas Übung erledige ich das automatisch für Sie.
Ich bin der Diener aller großen Männer und Frauen, aber ich bin auch der Diener aller Menschen, die versagen. Ich habe alle Menschen zu dem gemacht, was sie sind. Ich arbeite mit der Genauigkeit eines Computers und mit der Intelligenz eines Menschen.
Sie können mich zu Ihrem Nutzen, aber auch zu Ihrem Ruin und zu Ihrem Verderben einsetzen. Mir ist das völlig gleich. Benutzen Sie mich. Wenn Sie mit mir nachsichtig und nachgiebig umgehen, werde ich Sie zerstören. Wenn Sie mir gegenüber bestimmt und unnachgiebig sind, werde ich Ihnen die Welt zu Füßen legen.
Gewohnheiten sind die treuesten Diener
oder die schlimmsten Herren.
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